Habe ich eine Dokumentation im TV gesehen

Hier gebe ich den Inhalt einer Dokumentation (aus der philosophischen Ecke heraus) mittels direkter und indirekter Zitate, über das Thema Hoffnung wieder (soweit ich sie verstanden habe). Die indirekten Zitate werde ich kursiv schreiben.

 

"Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens"

Friedrich Nietzsche  Philosoph

Hoffen in einer bedrängten Situation heißt, auf die Zukunft setzen. Darauf, dass es einmal anders sein wird, anders als in der Gegenwart.

Es gibt immer Menschen, die über den bestehenden Zustand hinaus wollen. Dieser Wille kann evolutionär sein, von der Hoffnung getragen, man könne gewaltfrei aus den Gegebenheiten noch etwas Gutes machen.

 

" Wer nichts wagt, der darf nichts hoffen"

Friedrich Schiller  Arzt, Dichter, Philosoph

 

Interview mit einem Neurobiologen (in Folge mit NB abgekürzt)

Frage: Was geschieht im Gehirn des Menschen, wenn der Mensch hofft?

NB: Zukunft zu antizipieren verdanken wir Netzwerken, die wir im Stirnhirn haben. Da ist auch der Ort der Hoffnung. Die Forschungen haben gezeigt, dass wir damit nicht nur in der Lage sind die Zukunft vorwegzunehmen und zu entwerfen, sondern dass dieses Stirnhirn auch eine Organisationszentrale enthält, die auch die eigene Körperentwicklung in die Zukunft bringt.

 

Intermezzo: Die Zukunft ist nicht immer verheißungsvoll, die Hoffnung soll man aber nicht aufgeben. oft lebt man allein von der Hoffnung.

NB: Wir gehören zu den wenigen Lebewesen, vielleicht  sind wir sogar das einzige Lebewesen, das in die Zukunft vorausschauen kann, antizipieren kann.

Da wir das können, können wir auch vorausschauen und sagen:" Was brauchen wir eigentlich?, Was brauche ich eigentlich um mich in die Zukunft hinein entwickeln zu können?"

Wir erkennen jetzt ganz deutlich, dass der Mensch andere Menschen braucht. Dass wir nicht nur aus irgendwelchen humanitären Gründen, sondern auch aus zutiefst biologischen - neurobiologischen Gründen heraus soziale Wesen sind, die ohne andere nicht leben können. Wenn das soziale Zusammenleben nicht funktioniert, dann erhöhen sich die Risiken für Krankheit.

Wir wissen heute wiederum, dass Zuwendung, auch die ärztliche Zuwendung, neben dem was der Arzt faktisch macht, Medikamente verschreiben, Prozeduren anwenden,.. . Dass der Arzt selber, durch seine Zuwendung das Medikament ist. Also eine der wichtigsten Drogen für den Menschen.

Eine der wichtigsten Heildrogen für den Menschen ist der andere Mensch.

Frage: Krank gewesen zu sein, zu genesen und dann wieder heil zu werden, das ist eine so umwerfende Erfahrung in der Biographie des Einzelnen. Für einen Arzt natürlich, der das auf der anderen Seite erlebt und das auch leitet, wird das ebenso eine Erfahrung sein? Eine Erfahrung, die seiner Tätigkeit Sinn gibt?

NB: Wir wissen aus empirischen Studien, dass wenn zum Beispiel Menschen mit Krebskrankheit durch den Kontakt mit dem Arzt, der über das Wort und über die Kommunikation Zugang hat, zu dieser Zentrale im Stirnhirn, wenn da Zuversicht entsteht und der Patient z.B. gesagt bekommt, und das dann als Meinung übernimmt; Wenn ich mein Leben jetzt ändere, wenn ich auf einen gesunden Lebensstil achte und wenn ich an mich glaube, dann haben die Patienten einen objektiv besseren Verlauf, als andere Patienten denen der Arzt gar nichts gesagt hat, oder wo der Arzt sagt :" Da können wir nicht mehr viel tun". Der Patient hat dadurch ein Konzept von einer schlechten Zukunft in sich. Bei solchen Patienten kann man eine objektiv schlechtere Entwicklung feststellen.

Intermezzo: Die Hoffnung macht uns unter Umständen zu Helden. Aus lauter Hoffnung ertragen wir die größten Leiden oder Schmerzen, in der Hoffnung sie würden einmal noch vergehen. Doch gibt es Grenzen, die sich nicht überschreiten lassen und an solchen Grenzen ist die Hoffnung kein Hoffnungsträger mehr.

Frage: Was ist dann in dem einen Fall, wo der Arzt sagen muss: "Da gibt es keine Hoffnung mehr?" Gibt es Aussöhnungsmöglichkeiten mit dem Ende?

NB: Das muss man im Einzelfall abklären, auch mit den Angehörigen. Was ist jetzt angemessen angesichts einer terminalen Situation?

Intermezzo: Man kann sagen, falls es nichts zu hoffen gäbe und zwar deshalb weil es an nichts fehlte, weil alles umstandslos zu haben wäre. Dass in diesem Fall aus dem Menschen, die für sie typische Spannkraft verschwunden wäre. Existieren wäre dann langweilig, aber eben kein Existieren.

Interview Ende

 

"Die höchste Form der Hoffnung ist die überwundene Verzweiflung"

Albert Camus  Schriftsteller, Philosoph

 

" Man muss nur wollen" ist einer dieser "pfeifen im Walde" Sprüche die ängstlich gegen Furcht und Aussichtslosigkeit aufgeboten werden. Man müsse alles auf eine Karte setzen.

Hier folgt ein Interview mit einer verunfallten Privatperson, dessen Inhalt ich hier nur bruchstückhaft anführe.

Intermezzo: Im gewöhnlichen Leben braucht man nicht zu hoffen. Der Alltag ist mit Vertrauen ausgestattet- Man vertraut darauf, dass einem nichts passiert.

Unfall ist wie der Name schon sagt, einer jener Fälle der nicht zu den Fällen gezählt wird, sondern das ist das schlechthin Unerwartete.

PP: Es gibt verschieden Stadien von Hoffnung und auch die Ärzte haben sich bemüht Hoffnung zu schüren.

Intermezzo: Hoffnung schüren ist eine wunderbare Wendung, gewöhnlich werden ja nur Ängste geschürt. Und manchmal liegen Hoffnungen und Ängste sehr nahe beisammen.

PP: Die schwierigste Zeit war, als ich mit anderen Personen zusammentraf , die schon länger, also einige Jahre im Rollstuhl saßen und ich begriff , dass ich mich nun mit einer neuen Situation anfreunden muss. Und ich begriff, dass man auch in dieser Situation sein Leben einigermaßen in den Griff bekommen und gestalten kann.

..... Interview Ende

Intermezzo: Menschen sind in der Lage, ihre Hoffnungen auf Orte zu konzentrieren. Man unternimmt oft riesige Anstrengungen um DORT zu sein.

 

"Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen"

Ernst Bloch Philosoph

Interview mit einem ehemaligen Mitarbeiter Blochs (auch Philosoph)

Moderator: Also, wenn ich es recht verstanden habe, gibt es ein individuell philosophisches, psychologisches Hoffen (sehnen), aber abgesehen davon soll es noch etwas geben, wie Hoffnung als Prinzip. Also etwas Fundamentales, eine Art von fundamentaler Struktur, die irgendwie ans psychische Hoffen rückgebunden werden müsste. Was ist überhaupt ein Prinzip?

EM: Wir merken anhand unserer Selbsterfahrung, wie durchaus eben in der Psychologie, dass es gerade zu eine anthropologische Verankerung des Hoffens im Menschen gibt. Daraus kommt ja auch wirklich ein ganz großer Zug der Skepsis.

Von Hesiot in der Büchse der Pandora, in der alle Übel auf die Welt gebracht wurden. Zur Strafe dafür, dass der Mensch das Feuer von Prometheus bekommen hat. Da war auch die Hoffnung dabei und zwar wurde sie dann im stoischen und im skeptischen Philosophieren der griechischen und spätrömischen Antike, sogar   als das allergrößte Übel bezeichnet. Weil die Hoffnung einen leiden lässt. Viel länger leiden lässt, als wenn sie nicht da wäre. Man stellt sich einem bitteren Leben, nur weil da noch ein Funke Hoffnung ist. Obwohl jeder Vernünftige sagen würde: "Aussichtsloser Fall".

Moderator: Hoffnung gehört auch zu dem Gefährlichen. Aus Hoffnung kann man mehr aushalten, als man vernünftigerweise zu ertragen bereit sein sollte.

Hoffnung gehört aber auch zu dem Rohstoff, aus dem Politik gemacht werden kann, oder auch wird.

EM: Ja und auch enorm täuschende, weil das ist ja das Gelände der Ideologien Bildungen und jener Versprechungen, die dann diese mystische Breite bekommen

Man lese ordentlich mystische Stoffe, da wird jeder bedient. Man kann in der Bibel die Befürwortung der Gewalt finden und die schwerste Abweisung der Gewalt. ...  Hoffnung kann Prinzip sein, wie in der kantschen Argumentation. "Dass ein Argument mit einem Funken von Hoffnung stärker wiegt, als ein Argument ohne Hoffnung.  Interview Ende

 

Intermezzo: Das Prinzip Hoffnung leitet auch Menschen die helfen, die anderen Menschen Hoffnung geben. Nicht als Propaganda oder Täuschung, sondern pragmatisch, alltäglich und selbstverständlich. Es gibt 3 Fragen, laut dem Philosophen Immanuel Kant, die in diese eine fundamentale Frage "Was ist der Mensch?" münden. Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen?

 

Interview mit einem Mitarbeiter einer heilpädagogischen Institution

MHL: Leben kann nie hoffnungslos sein. Leben ist ja auch eine Sache des Augenblicks. Wir wissen ja auch nicht, wie unser nächster Augenblick ausschaut. Leben ist immer Hoffnung.... Jeder Mensch ist geliebt, ist geachtet. Das zu vermitteln ist die Basis für Hoffnung.

 

 

Interview mit einem Ordensbruder

Moderator: Mit Hinweis auf die Kardinalstugenden Liebe, Glaube, Hoffnung im Korintherbrief von Paulus kommt danach die Anmerkung: "Die Hoffnung ist

dabei blass geblieben.

OB: Die Liebe ist natürlich wichtig, notwendig. Die größte Tugend, wie der Apostel Paulus das beschrieben hat. Aber ich sehne mich selber oft auch nach so einer Haltung, nach so einer Situation, die wir auch als Hoffnung bezeichnen können.

Weil meiner Erfahrung nach, haben wir im Leben oft Situationen wo es uns nicht so gut geht. In denen wir überfordert werden, wo wir nicht weiterwissen.

Wir brauchen irgendwo so ein Lichtlein in diesem dunklen Tunnel. Dieses Lichtlein würde ich als Hoffnung bezeichnen. Diese Hoffnung kann uns befähigen, ja auch Kraft geben zum Weitergehen, zum Weiterschreiten, nach Lösungen zu suchen. So dass wir in diesen Momenten der Krise, des Niedergeschlagen Seins, nicht verzagen, nicht aufgeben, sondern weitergehen können.

 

Intermezzo: Der Tod ist eine Art Zusammenfassung aller Grenzen, die dem endlichen Menschen gesetzt sind. Es ist die Religion, die Angesichts dieses Endes noch Hoffnung macht, auf ein Weiterleben nach dem Tode. Es ist der Glaube, dass es nicht nur die Zeit, sondern auch die Ewigkeit, die auf jeden Mensch wartet, gibt.

 

"Lasst jede Hoffnung hinter Euch, Ihr die ihr eintretet"

Dante Alighieri  Dichter, Philosoph

 

Intermezzo: Die Hoffnung hat mächtige Gegenkräfte, die Verzweiflung und die Enttäuschung. Sofern Rationalität menschenmöglich ist, ist der Zweifel etwas Rationales.

Im Irrtum kann man immer sein. Wer zweifelt prüft es nach und nachgeprüft sollte immer werden. Selbst wenn der Zweifel auch willkommenen starken Emotionen etwas von ihrer Intensität nimmt. Verzweifeln mag gute rationale Gründe haben, aber im Wesentlichen ist die Verzweiflung eine Emotion von großer Macht.

Moderator: Ist Hoffnungslosigkeit im Christentum Sünde? Dieser merkwürdige Zusammenhang von Zweifel und Verzweiflung. Was sagt der Theologe dazu?

OB: Meine persönliche Meinung dazu ist die:" Ich glaube es schon, dass es hoffnungslose Situationen geben kann. Wo Menschen keine Hoffnung mehr sehen, auch wenn das Christentum, wenn das Evangelium verkündet und es bezeugt, dass der Tod selber keine hoffnungslose Situation ist. Weil gerade nach dem Tod kommt das Licht; kommt das Leben, kommt die Glückseligkeit.

Moderator: Sie haben die Frage aus der Perspektive des Hoffens beantwortet, aber Sie sind mir ein wenig ausgewichen. Sie sind dem Begriff der Sünde ausgewichen. Ob Verzweiflung nicht Sünde ist?

OB: Wie ich das Evangelium und das Christentum verstanden habe, hat das mit der Sünde nichts zu tun. Das kann mit unseren menschlichen Grenzen was zu tun haben. Das kann mit einer Krankheit etwas zu tun haben, das kann mit unseren Schwächen zu tun haben, aber sicherlich nichts mit einer bewussten Entscheidung:" Jetzt fange ich zu Zweifeln und zu Verzweifeln an". Ich begebe mich so in eine hoffnungslose Situation gegen den Schöpfer, gegen vieles, und das wird als moralisch schlecht bezeichnet. Nein, nein, nein, .

 

Intermezzo: Hoffnungslose Fälle gibt es. Mag sein, dass man hin und wieder leichtfertig vorschnell oder irrtümlich etwas Hoffnungslos nennt.

 

 

"Die Hoffnungslosigkeit ist schon die vorweggenommene Niederlage"

Karl Jaspers  Psychiater, Philosoph

 

Moderator: Aber gibt es für den Theologen nicht auch das Problem, dass er nicht auch von der Verzweiflung angesteckt werden kann?

OB: Natürlich, Natürlich. Wir sind keine Supermänner. Wir sind keine Automaten, bei denen man sagt "Alles muss funktionieren". ich würde sagen, dass es ein Geben und Nehmen ist. Also wenn ich Menschen begleiten kann, in schwierigen Situationen, so bekomme ich selbst von diesen Menschen viel zurück. So dass es auch mich trägt, so dass es auch mir Kraft gibt und auch Hoffnung gibt, für mein persönliches Leben.

 

 

Intermezzo: Die beste aller Welten, kann nicht die Welt der Erfüllung aller Wünsche sein. Alle Wünsche erfüllt, wie öde. Das Schlaraffenland macht nur dick und selbst das Paradies, das man mit dem Schlaraffenland nicht verwechseln darf, selbst das Paradies ist kein Ort an dem wir Menschen bleiben. Sie sind was sie sind erst dadurch, dass sie sich zwischen Gut und Böse entscheiden müssen.

 

"Der Himmel hat dem Menschen als Gegengewicht zu den vielen Mühseligkeiten des Lebens dreierlei gegeben: "Die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen".

Immanuel Kant Philosoph

 

Als ein braver Mann, der auch ein Macher, Manager, war starb stellte sich die Frage: " War er denn religiös?

Der Name des Mannes tut nichts zur Sache. Die Antwort aber schon, die ein zumindest ebenso braver Mann gab. Sie lautet:" Er war gläubig. In unaufgeregter Art des Suchens und Hoffens". ........

Unbekannt

 

 

 

aus einer Doku über die Hoffnung; Ausgestrahlt vom ORF am 06092017 FS2