Antike Philosophie

Ansatz:

Das Gleichmaß oder das Maßhalten wurden in der Antike schon seit dem Orakel von Delphi hochgeschätzt. 478 v.Chr. wurde der Apollontempel nach einem Brand im dorischen Stil neu errichtet. Den Eingang schmückten u.a. diese beiden Sprüche der "Sieben Weisen" : "Erkenne dich selbst." Und:" Nichts im Übermaß" (Wikipedia Stand 2017 11 Orakel von Delphi).

Demokrit

(griech. Phil. 460/459 v.Chr. bis ins frühe 4 Jhrdt v. Chr.) beschreibt diese Tugenden (Wohlgemut Sein >< Gelassenheit) so:

"Schön ist in allem das Gleichmaß; weder Übermaß noch Mangel gefallen mir"                                                                                                                                                                                     Lit.3/S.29

Denen, deren Lebensweise wohlgeordnet ist, gerät auch das Leben in bester Ordnung.

Lit.3/S.29

... Den Menschen entsteht also frohmütige Gelassenheit aus dem Maßhalten im Vergnügen und gleichmäßiger Lebensführung. Das Zuwenig und das Zuviel pflegt (!) ins Gegenteil umzuschlagen und die Seele in große Erregungen zu versetzen. Jene nun, die starken Schwingungen entgegengesetzter Gefühlsbewegungen unterliegen, sind weder gleichmütig noch frohgemut. Auf das Mögliche muss man also seinen Sinn richten und sich mit dem gegebenen begnügen,...                                                                                                                                                                                  

Lit.3/S.29

 

Denn eine wohlausgewogene Traglast gewährt mehr Sicherheit als eine große Bürde.

                                                                                       Lit.3/S.29

 

Wer frohgemut leben will, darf sich weder im privaten noch im öffentlichen Bereich mit vielerlei Tätigkeiten abgeben, und was immer er tut, das soll nicht seine Befähigung noch seine physische Kraft übermäßig beanspruchen.                                                                                                               

 Lit.3/S.29

Aristoteles (griech, Phil. ca. 384 v. Chr. - 322 v. Chr.) betrachtet die Gelassenheit (Ruhe, Glück) aus einer anderen Warte:

Elf positive Eigenschaften untersuchte Aristoteles, bei denen die Mitte einzuhalten sei:

Mut, Mäßigkeit, Freigebigkeit, Hochherzigkeit, Hochsinn, Sinn für Ehre, Sanftmut, Wahrhaftigkeit, Artigkeit, Freundlichkeit, Gerechtigkeit;

Nur ein auf Tugend gegründetes Leben ist ein geglücktes Leben. Und anders ausgedrückt: Eudämonie (Gedeihen oder Gelingen der Lebensführung www. anthrowiki.at  Stand Nov. 2017) ist geglückte Lebenstätigkeit des Menschen als Mensch unter Menschen, unter Leitung von Arete, Logos und ethischer Vortrefflichkeit (Lit.5/S.46). Auch unter schwersten Schicksalsschlägen und im größten Unglück kann mittels Hexis/habitus die Gewohnheit eines charakterfesten tugendhaften Verhaltens durchgehalten werden. Solche an Logos und Maß eingeübten Haltungen sind stärker als die Macht der Affekte und führen zu einem sittlich geglückten Leben (Lit.5/S.49).

 

Der Erwerb des Wissens von Anfang an ist kein Entstehen und auch keine Eigenschaftsveränderung: durch Findung von Ruhe und festem Standpunkt wird der Geist wissend bedächtig . ..., dann aber, wenn er die Verwirrung losgeworden ist und das Denkvermögen zu Ruhe und festem Halt gefunden hat, steht ihm gleich die Möglichkeit zum Gebrauch seines Wissens zur Verfügung.

                                                                                 Lit.4/S.247

Hier deutet sich ein Gelassen Sein im Denken an, aber es ist eindeutig vernunftgesteuert und willentlich.

Lit.1/S.30

Epikur (griech. Phil. ca. 341 v. Chr. - 270 v. Chr.) ging das Thema vom Glück aus an:

"Das Dasein des Menschen gleiche dem Meer, seinem dreifachen Anblick: Bald sei es stürmisch vom Wintersturm gepeitscht; bald bewegt es sich in glatter Dünung; bald aber herrscht Meeresstille. Dieser Ruhe entspreche das still gewordene Dasein, frei von Schmerzen und Sorgen und voller Glück und Seligkeit.

Lit.5/S.107

Wie man die Ruhe des Meeres daran erkennt, dass nicht der kleinste Lufthauch die Fluten bewegt, so sieht man den ruhigen und friedlichen Zustand der Seele daran, dass keine Leidenschaft da ist, die ihn zu stören vermag. Cicero zu Epikur

( Cicero [45 v. Chr] über Epikur, Lit.7 ohne Seite)

Auch der Leichtfertige und in Ausgelassenheit sich Gehenlassende sei umso unglücklicher, je glücklicher er sich wähne. Im Umkehrschluss seien diese glückselig zu nennen, die keine Furcht empfänden, die kein Kummer zerfresse und keine Begierden aufstachelten. Cicero zu Epikur

(Lit.7/S.169)

 

 

Damit wollte er den Menschen die Furcht vor den Göttern und dem Tod nehmen und sie die Leichtigkeit des Seins im Hier und Jetzt lehren.

Lit.1/S.29

"Wenn wir nun sagen, dass die Freude unser Lebensziel ist, so meinen wir nicht die Freuden der Prasser, denen es ums Genießen schlechthin zu tun ist. [...] Denn nicht eine endlose Reihe von Trinkgelagen und Festschmäusen, nicht das Genießen schöner Knaben und Frauen, auch nicht der Genuss von leckeren Fischen und was ein reichbesetzter Tisch sonst zu bieten vermag, schafft ein freudevolles Leben, vielmehr allein das klare Denken, das allem Verlangen und allem Meiden auf den Grund geht und den Wahn vertreibt, der wie ein Wirbelsturm die Seelen erschüttert"

Lit.6/S. 45f

Glück ist für Epikur die tiefe Beruhigung der Seele in einem gesunden Körper verbunden zu sein, mit einer großen Lebenszufriedenheit.

Glück ist somit auch Gelassenheit.

Lit.1/S.29

  1. Wer den Affekten unterliegt, kann nicht glückselig sein; das gilt vor allem für Furcht und Kummer, Begehren und Lust.
  2. Wer demnach nicht von den Affekten geleitet wird, der kann glückselig werden.
  3. Die Befreiung von den Affekten gilt als Leistung der Tugend.

Lit.7/S.357

 

Seneca (röm. Phil. 1.- 65 n. Chr.) beginnt nach dem "Wie erlangt man Gelassenheit (Seelenruhe)"?:

"Wie erwerben wir uns eine beständige und zuträgliche Gemütsverfassung? Wie können wir uns selbst gerecht beurteilen, wie mit Genuss unser eigenes Schaffen betrachten, ohne die dabei gewonnene Freude wieder zu zerstören? Wie können wir uns diese Gelassenheit erhalten, ohne überheblich oder niedergeschlagen zu werden? Denn darin müsste die Seelenruhe wohl bestehen."

Lit.8/S.220

"Glücklich darf man nur jemanden nennen, der weder Wünsche hegt noch Furcht empfindet, allerdings vermöge seiner Vernunft, denn unbekannt sind Furcht und Trauer ja auch den fühllosen Steinen und nicht minder dem Herdenvieh."

Lit.8/S.138

Seneca beendet seine Ausführungen über die Seelenruhe, indem er einen geistigen Zustand beschreibt, der dem Entrücken, das die Mystiker der Gelassenheit voraussetzen, schon nahesteht.

Lit.8/S.220

Was also ist "Gelassenheit" im Verständnis des Stoikers Seneca? Es ist die Seelenruhe des Weisen als Ergebnis eines tugendhaften Lebens und eines im Sinne der Stoa rechten Denkens. Es entsteht dort, wo einer seinen eigenen, wesensgerechten Weg geht, unbeeindruckt von den eigenen Affekten oder den Werthaltungen der Masse.

Lit.1/S.33

 


Plutarch ( griech. Schriftsteller 45 -125) untersucht die Seeleruhe zum Zwecke der Erforschung mit Hilfe von Vernunft und Einsicht:

Ruhe und Glück kommen nicht von außen, der Mensch trägt sie in sich - das ist eine der wertvollsten Erkenntnisse dieses poetischen Philosophen: " Kein Unglück trifft dein Herz, machst du es nicht dazu" (Lit.9/S.23). Die Seele erscheint als der Hort von Glück und Unglück des Menschen, und deutlich wird hier die griechische Schicksalsgöttin Tyche, die nach Willkür Glück und Leid verteilte, ihrer Macht enthoben:

Aus der verschiedenen Art der Leidenschaften ergibt es sich, dass der Mensch den Speicher von Ruhe und Unruhe des Gemütes in sich selbst hat, dass die Urnen des Glückes und Unglückes nicht auf der Schwelle des Zeus stehen, sondern in der eigenen Seele. Die Toren merken das Gute, das sie in der Hand haben, nicht weil sie sich immer von ihren Gedanken in die Zukunft locken lassen: die Klugen aber lassen längst vergangene Freuden in der Erinnerung wieder aufleben.

Lit.9/S.20 

Im Leben gebe es, so Plutarch (Lit.9//S.21), nichts Reines und Einfaches. Das Schlimme solle man durch das Bessere verdunkeln und das Böse so in das Gute hüllen, dass daraus die Harmonie des Lebens entstünde. Auch für Plutarch steht ein guter Tod am Ende eines gelassenen Lebens.

 

Entwicklung der "Gelassenheit" in der Antike

Euthymia - Wohlgemutheit (guten Mutes sein, guten Gemütes sein durch Maß und Gewissen) - Eudaimonia - geglückte Lebenstätigkeit und Maß - galene - heitere Seelenruhe im Hier und Jetzt - tranquilitas animi - stoische Seelenruhe - seelenvolle Gemütsruhe - Gelassenheit

Lit.1/S.36